conwerk bringt modulare Mehrweghäuser nach Hövelhof
Wie lässt sich Wohnen bezahlbar, klimaneutral und zugleich flexibel gestalten? Moderne Antworten auf diese Frage liefert das Paderborner Start-up conwerk, das seine Modul-Mehrweghäuser in Hövelhof produziert. Bürgermeister Michael Berens und Wirtschaftsförderer Thomas Westhof verschafften sich bei einem Besuch einen Eindruck von dem innovativen Baukonzept des jungen Unternehmens.
Vom Transportcontainer zum Wohnhaus (v. l.): Bürgermeister Michael Berens, die conwerk-Unternehmensleitung Ramona Schrör und Harald Bärhold sowie Wirtschaftsförderer Thomas Westhof mit einem Modell der modularen Häuser und einer Visualisierung des geplantHinter der Idee stehen die Gründer Ramona Schrör und Harald Bärhold. Beide verfügen über langjährige Erfahrung im modularen Messe- und Ladenbau, in dem Teams komplexe Konstruktionen in kurzer Zeit aufbauen, wieder abbauen und an anderer Stelle erneut einsetzen. Aus den Praxiserfahrungen entstand die Idee, dieses Prinzip auf den Wohnungsbau zu übertragen. Seit dem Jahr 2019 entwickelt conwerk ein Baukonzept, das Häuser modular und wiederverwendbar macht. Das Konzept bricht bewusst mit klassischen Bauweisen: So nutzt das Unternehmen standardisierte Stahlcontainer aus dem internationalen Schiffstransport als Grundstruktur. Diese Container bilden das tragende Gerüst des Hauses. In der Produktionshalle im Hövelhofer Industriegebiet baut das Team die Module zu vollwertigen Wohnräumen aus. Anschließend transportiert conwerk die Elemente zur Baustelle, um sie zusammenzusetzen und architektonisch zu veredeln. Von den Transportcontainern ist später nichts mehr zu sehen. Die Container lassen sich wie Bausteine kombinieren. Zwei Module ergeben beispielsweise ein kompaktes Einfamilienhaus mit 52 Quadratmetern Wohnfläche, mehrere Module bilden größere Wohnhäuser oder sogar ganze Wohnanlagen. Genau dieses Prinzip macht das Konzept besonders flexibel: Häuser entstehen nicht aus einem einzigen Baukörper, sondern aus einzelnen, industriell vorgefertigten Raumelementen. Benötigen Bewohner später mehr Platz, lassen sich zusätzliche Module ergänzen. Sinkt der Platzbedarf, kann das Unternehmen einzelne Elemente zurückbauen. Selbst ein kompletter Standortwechsel ist möglich – conwerk kann das Haus zerlegen, transportieren und an anderer Stelle wieder aufbauen. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu herkömmlichen Bauweisen liegt im sogenannten zirkulären Ansatz. Das Unternehmen setzt konsequent auf Materialien, die sich später wieder voneinander trennen lassen. Dämmung, Innenausbau, Fassadenmaterial und technische Komponenten bleiben sortenrein. „Alle Bauteile bleiben im Materialkreislauf und lassen sich am Ende des Lebenszyklus weiterverwenden oder zu neuen Produkten verarbeiten“, erklärt Schrör. „Die EU-Kommission verfolgt das Ziel, dass ab 2030 nur noch klimaneutrale und ressourcenschonende Gebäude entstehen. Genau auf diesen Ansatz richten wir unser Konzept aus. Wir setzen schon heute um, was zum Standard werden soll“, ergänzt Bärhold. Unterstützung erhielt conwerk dabei auch aus der Wissenschaft. Gemeinsam mit der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe entwickelten die Gründer ihr Baukonzept weiter und suchten nach geeigneten Fördermöglichkeiten. Das Projekt überzeugte schließlich auch auf Landes- und EU-Ebene: Beim EFRE-Stars-Wettbewerb 2025 gehörte conwerk zu den Preisträgern und erhielt Fördermittel in Höhe von rund 800.000 Euro. Mit dieser Unterstützung wollen Schrör und Bärhold nun den nächsten großen Schritt gehen. In der Produktionshalle in Hövelhof lagern bereits die Materialien für das erste Musterhaus. Es soll aus vier Modulen bestehen und rund 105 Quadratmeter Wohnfläche bieten. Als Standort kommt auch Hövelhof in Betracht, eine endgültige Entscheidung über ein geeignetes Grundstück steht allerdings noch aus. Mit dem Bau des Musterhauses soll der Startschuss für den Markteintritt von conwerk fallen. Das Gebäude soll Interessierten künftig einen Eindruck davon vermitteln, wie das modulare System in der Praxis funktioniert und welches Potenzial in der Bauweise steckt. Ziel ist es, den Prototyp im Sommer oder Herbst fertigzustellen. Der Verkaufspreis der Modulhäuser soll sich nach aktuellen Kalkulationen bei etwa 4.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bewegen.